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'Pro "Streikbrecher" Pro Studiengebühr'

erstellt von Gudrun zuletzt verändert: 05.11.2009 19:32

Joscha schrieb in der Mailingliste: [Also höchste Zeit was zu unternehmen wenn man nicht noch schlechtere Studienbedingungen 500 Euro "Studiengebühr" und Studienplatzabbau haben möchte.]

Wenn du was gegen Deutschlands Bildungs misere tun willst dann doch nicht unbedingt eine Massenuni ermöglichen nach dem Motto "Bildung für alle" oder so. Willst du es wie in Frankreich: Der Stoff wird per Lautsprecher in drei Sälen verbreitet. Die Lehre wird sich dann notwendigerweise verschlechtern. Zu Besseren und mehr Studienabschlüssen (geringere Abbrecherquote)kommt es nach meiner Meinung erst bei Konzepten wie in UK wo man Zahlt wo es dafür aber kleine Gruppen gibt mit Professoren die NICHT überlastet sind. Schulden hat man so und so ob mit BAFÖG oder Gebühren. Na und? Zurückzahlen musst du erst wenn du einen Job hast. In anderen Ländern zählt Leistung und Engagement da ist ein Studium richtig anstrengend aber es ist etwas wert. Hier zählt ein Studium bald nichts mehr wenn es nichts kostet und jeder so viel ausfallen lassen kann wie es ihm beliebt. Andere Studenten die aus diesen Gründen nicht mitstreiken sind deshalb keine "Streikbrecher" - Einsparungen sind ja generell gut...Aber Deutschland ist sowieso im Umbruch. Es wäre destruktiv deine Kommilitonen dafür zu verurteilen. Das tue lieber mit den Profs die ihre Schäfchen im trockenen lassen wollen. Warum muessen manche Profs vier Sekretärinnen haben und nach der Pensionierung ein Büro-Anspruch auf Lebenszeit?

Das wär mein kleiner Beitrag zur Debatte im KHI- Institut obwohl ich ihn noch >ausführen könnte.

PS Es ist übrigens extrem weitsichtig in einen Raum zu randalieren und die Stühle zu zerfetzen. Da fällt mir dann nur noch Kopfschütteln zu ein. ( Raum 127)

Gudrun

Kommentar von Sarah am 09.11.2009 00:17
Aufruf zum Zeitunglesen!

Liebe Gudrun ,
laut letzter OECD-Studie hat die BRD bereits jetzt zu wenig Akademiker.In Finnland studieren
zum Beispiel satte 70% eines Jahrganges, bei uns schon jetzt nur 30%.Vielleicht ist auch dir bekannt, dass Berlin nicht das einzige Bundesland ist , das seine Studienplatzzahl nach unten fährt.Da die BRD ihre hohe Pro-Kopf-Produktivität ja nun bekanntermaßen nicht aus mageren Rohstoffvorkommen bezieht, bleibt als Grundlage userer blühenden Volkswirtschaft nur die hochqualifizierte Arbeitskraft .
(Übrigens ist Deutschland Exportweltmeister vor den USA !Was hier so extrem schwächelt, ist die Binnennachfrage!)
Wer in diesem Lande die Bildung wegspart,
gefährdet direkt die wirtschaftliche Stärke , bzw. die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieses Landes.
Es giebt natürlich eine Reihe von Schwierigkeiten in dem Bemühen ,Geld für Bildung locker zu machen. Das Hauptproblem ist wohl generell die zunehmend schwächerwerdende Einnahmeseite der Haushalte. Die resultiert -platt gesagt - aus der effektiven Lobbyarbeit der Anhänger der Neoklassik/ Neoliberalismus zu Lasten der abhängig Beschäftigten. Dank freundlicher Mitarbeit der Massenmedien ist die Solidargemeinschaft einfach out.
Ein zweites großes Problem ist,
dass der Bund mit der Unterzeichnung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes seine Souveränität im Bereich der Finanzpolitik größtenteils abgegeben hat.
Der Bund kann dadurch also nicht- um die schwache Einnahmeseite auszugleichen-
einfach Schulden aufnehmen, um großräumig in die Bildung zu investieren.(Beim Thema Schulden herrscht leider auch sehr viel Unwissenheit Stichworte: Multiplikatoreffekt, Staatsverschuldung als Verschulden einer Gesellschaft gegen sich selbst,wer profitiert von Zinszahlungen ,usw.)
Eine dritte Größe, die leider in diesem Zusammenhang wenig beachtet wird , sind die internationalen Bestrebungen, manifestiert im sog.GATS- Abkommen,die auf eine Privatisierung von bislang öffentlichen Gütern wie Bildung und Gesundheit abzielen.
Erwähntes internationales Abkommen beschließt nämlich eine Öffnung erwähnter Bereiche für den Markt.
Bitte informiert euch darüber !
(z.B. asta fu, Hochschulpolitische Reihe:
"Universität im Umbruch")
Wenn Du ,Gudrun, also denkst , unsre Kritik würde zum Ziel haben, dass wir demnächst in noch volleren Seminaren sitzen , hast du leider bis jetzt nicht viel mitbekommen.
Warum ist es denn so eng?
In Berlin sind in den letzten Jahren massiv Studienplätze abgebaut worden, noch massiver allerdings Lehrkräfte!
(Bitte auch beachten: Studenten bilden in dieser Stadt eine erhebliche Kaufkraft !)
Deswegen fordern wir eine Verstärkung der Einnahmeseite auf Bundesebene auf einer Basis, die sich zur Solidargemeinschaft bekennt,
eine verstärkte Investition in Bildung und den sozialen Bereich, und somit natürlich :
Viel mehr Lehrkräfte für mehr Studenten!

Das wir bezieht sich für mich übrigens auf einen kleinen Kreis von WiWiss- und OSI-Studenten.
Wir freuen uns zu jeder Zeit, wenn wir Informationen loswerden können- diskutieren tun wir natürlich auch gerne.

Hoffentlich viel Freude beim Informieren
und beste Grüße,

Sarah

Kommentar von Johannes Posel am 09.11.2009 00:17
Liebe Sarah,

es ist immer wieder erquickend, daß der Vergleich mit unseren nördlichen Nachbarn bei jeder möglichen und unmöglichen Situation angebracht wird. Ich bitte darum, bei solchen Vergleichen auch absolute Zahlen zu nennen, damit tatsächlich auch eine Relation hergestellt werden kann.

Finnland hat ca. 5 Millionen Einwohner, und dementsprechend weniger Studenten. Meines Wissens nach hat Finnland ein bedeutend anders strukturiertes Steuersystem, und zudem weniger Belastungen im Staatshaushalt, was bei einer statistischen "labor force" von nur 2,6 Millionen bei 8,5% Arbeitslosigkeit (zum Vergleich für Deutschland ca. 41 Millionen bei über 10% Arbeitslosen) auch kein Wunder ist.

Warum scheuen so viele denn die direkten Vergleiche mit z.B. Frankreich oder unseren südlichen Nachbarn? Anders gefragt: Wenn in einem Europa mit bald 25 Staaten nur Finland es gebacken bekommt, dann liegen wir ja gar nicht so schlecht mit unseren Studiengebührplänen, pardon Studienkonten ;)

Grüße,
Johannes